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PressemitteilungVersprechen für die Neugestaltung des Bahnhofsgebäudes werden nicht gehalten

Versprechen für die Neugestaltung des Bahnhofsgebäudes werden nicht gehalten

–Nachtrag aus der Redaktion:

Wir begrüßen grundsätzlich die Sanierung des Gothaer Bahnhofs und das Ziel, ihn zu einem attraktiven und lebendigen Ort für Bürgerinnen und Bürger sowie für Touristinnen und Touristen zu entwickeln.

Wir verwehren uns dabei keineswegs gegen moderne Architektur. Ein historisch bedeutendes Gebäude wie der Gothaer Bahnhof kann und sollte zeitgemäß, komfortabel und nachhaltig saniert und weiterentwickelt werden. Moderne Gestaltung muss dabei jedoch nicht bedeuten, auf prägende Elemente des historischen Gebäudes wie Rundbögen und andere charakteristische Formen zu verzichten. Unserer Ansicht nach ist es möglich, zeitgemäße Architektur und Funktionalität mit einem respektvollen Umgang mit dem historischen Gesamtbild zu verbinden.

Kritisch sehen wir deshalb, wie der sogenannte Bürgerdialog gestaltet und durchgeführt wurde. Ebenso kritisch betrachten wir die Kommunikation der Stadtregierung im Vorfeld. Dabei wurde der Eindruck vermittelt, der Bahnhof werde so wieder aufgebaut, wie er ursprünglich war. Diese Darstellung entspricht nachweislich nicht den tatsächlichen Planungen.

Gerade bei einem Gebäude von solcher historischer Bedeutung halten wir einen transparenten Dialog und eine offene Kommunikation über die geplanten Veränderungen für unerlässlich.

Im April wurde ein Bauschild auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellt, auf dem das Bauvorhaben des Gothaer Bahnhofs angekündigt wird. Dort steht, dass „[…] das Bauwerk in seinem ursprünglichen […] Erscheinungsbild wieder aufgebaut“ werden soll. Ein Versprechen der Stadt Gotha an seine Bürgerinnen und Bürger. Am vergangenen Mittwoch, den 24. April hatte die Stadt zusammen mit der BGG und der Architekten-Arbeitsgemeinschaft (IWG Gotha, Wiegand Architekten Waltershausen, AWTW Erfurt) zum „Bürgerdialog Bahnhof Gotha“ geladen. Die Entwurfspräsentation im Gothaer Bahnhofsgebäude beinhaltete jedoch Umbaupläne, die wichtige Fragen und erhebliche Zweifel an einer Rekonstruktion aufwerfen, die das ursprüngliche Erscheinungsbild des ältesten Bahnhofsgebäudes Thüringens als Ausgangsposition nutzt.



Vorgestellter Entwurf der Architekten-Arbeitsgemeinschaft für den Umbau des Bahnhofs Gotha
Aufstockung und Flachdächer


Laut den Plänen soll sowohl der östliche als auch der westliche Seitenflügel um ein Stockwerk erweitert werden, was im krassen Kontrast zur ursprünglichen Gestalt des Bauwerks steht. Auch der Entwurf der Dachform ignoriert die Ursprünglichkeit des Gebäudes, denn hier sind Flachdächer statt Walm- und Satteldächer geplant. Zudem wurde während der Präsentation nicht deutlich, wie der Eingangsbereich in Zukunft aussehen soll. Werden dort wieder drei Eingänge mit Segmentbögen, wie nach dem Bau der Eingangshalle im Jahr 1907, realisiert oder bleibt der Eingang in seinem jetzigen Zustand?

In den Entwürfen soll die ursprüngliche Dachgestaltung mit Walm- und Satteldächer von Flachdächern ersetzt werden
Vergleich: Heutiger Eingangsbereich (links) und ursprünglicher Eingang von 1907 (rechts)
Ursprüngliche Fenstergestaltung wird ignoriert


Vor der Bombardierung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg wurden vor allem Türen und Fenster mit Rundbögen und Sprossen verbaut, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügten. Die aktuellen Entwürfe sehen bodentiefe schmale Fenster vor, was einem gravierenden Gestaltungsbruch gleichkommt. Auf die vier oberen Fenster im mittleren Gebäudeteil verzichtet man bei den derzeitigen Entwürfen zufolge vollständig. Hier werden voraussichtlich blinde Fenster gebaut, wodurch die Fassade an Authentizität einbüßt.

Damals hatte der Bahnhof vor 1907 fast ausschließlich Rundbogenfenster mit Sprossen. Bei der Aufstockung sollen jedoch rechteckige Fenster ohne Sprossen eingebaut werden.
Versprechensbruch


Den Architekten, die das Bahnhofsgebäude bis 1907 mehrmals erweitert haben, war es gelungen, Umbauten im Einklang mit dem Originalbau von 1848 zu realisieren. Die am 24. April präsentierten Entwürfe der Architekten zeigen erschreckend deutlich, dass die geplanten Umbaumaßnahmen mit dieser Tradition brechen. Defacto entsteht in Gotha ein Bahnhofsgebäude, in dem das ursprüngliche Erscheinungsbild nur andeutungsweise zu erkennen ist. Somit wird das getätigte Versprechen nicht gehalten. 

Warum geht man nicht mit Respekt und Sensibilität an den Wiederaufbau, dieses für die Stadt so wichtigen Gebäudes?

Eine sich am historischen Gebäudeteil orientierende Erweiterung würde die Formen der historischen Architektur in den neuen Bau integrieren. Auf Flachdächer und schmale Fenster ohne Sprossen sollte unbedingt verzichtet werden. Stattdessen sollten Elemente wie Fenster und Türen mit Rundbögen und Walmdächer Teil der Planung sein. Auch die ursprüngliche Quaderung des Putzes und Gesimse sollte wieder angebracht werden.

Ursprünglich war der Putz der Fassade mit Quaderungen und weiteren Details verziert (diese wurden teilweise nach 1930 entfernt)

Das Stadtforum Gotha ruft die Stadt Gotha und die Architekten-Arbeitsgemeinschaft auf den Bürgerdialog fortzusetzen. Eine Folgeveranstaltung muss die Möglichkeit bieten Gestaltungsfragen der zukünftigen Fassade erneut zu diskutieren. Um eine größtmögliche Beteiligung zu erreichen, sollte diese Veranstaltung zudem so terminiert werden, das auch Erwerbstätige problemlos daran teilnehmen können.

3 Comments

  • Alexander M. Bachmann

    Wie kann man den Bahnhof so verunstalten, dann lieber so lassen wie er ist. Das hat mit einer Rekonstrution des Bahnhofgebäutes nichts zu tun.

  • Elmar Nolte

    Danke für die kritische Darstellung der ich gut folgen kann. Meines Erachtens gehören die erhaltenen Teile des sofort unter Denkmalschutz gestellt. Immerhin handelt es sich bei dem 1848 im sog. Rundbogenstil entstandenen Gebäude um einen der ältesten Bahnhöfe Deutschlands. Es besteht auch dort - wie fast überall in Gotha - kein solcher Nutzungsdruck, der eine Erweiterung durch fragwürde Anbauten rechtfertigen würde. Um Organisiationen wie das Stadtarchiv unterzubringen sind, finden Stadt und die BauGG sicher andere Möglichkeiten. Der Bahnhof war, wie das bei Wikipedia veröffentlichte Foto von 1858 zeigt zeigt, als symmetrischer Solitär geplant und gebaut, und sollte den Charakter auch so bewahren. Daher sollte er in der gut belegten historischen Form wiederaufgebaut werden, ohne fragwürdige Zutaten! Hier der Artikel mit einigen Infos zur Historie: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Gotha

  • Patrick

    Ich verstehe diese wirklich negative Darstellung des Bauvorhabens in diesem Artikels nicht. Allerdings ist er gleichzeitig Ausdruck für den Missmut und der Skepsis gegenüber „neuem“ in der Region. Zum Entwurf: Hier wird das zuvor marode und verfallene, sowie durch die unsachgemäße Nutzung der Bürger abgenutzte Bahnhofsgebäude in einen wirklich repräsentativen Bau verwandelt, der für eine Kleinstadt wie Gotha in echtes Aushängeschild werden wird. Dabei wird zum einem die ursprüngliche Kubatur historisierend wiederhergestellt und dieser Baukörper anschließend in einem stilistisch passenden Baukörper um ein neues Volumen ergänzt. Es entsteht ein konzeptionell passender Baukörper, bei dem das „Alte“ (auch wenn zum Teil erst in diesen augenscheinlichen Zustand wiederhergestellte) passend mit dem „Neuem“ ergänzt wird. Die bewusste Wahl eines Flachdachs stellt ebenfalls eine Aufwertung des Baukörpers dar. Zum einem da sehr lange Dachflächen als Geneigtes Dach (Satteldach/ Walmdach) sehr plump wirken, zum anderen, da dort die Technik und Photovoltaik gut kaschiert werden kann. Als Betrachter vom Bahnhofsvorplatz wird so ein viel schönerer und zugleich historischer wirkender Baukörper wahrgenommen werden. Und ja: Flachdächer sind keine Erfindung der „Neuzeit“ und auch nichts bedrohliches sondern finden bei einer Vielzahl historischer Gebäude Anwendung. Wohl kein Reisender wird immer wieder alte Postkartenmotive des Bahnhofs um die 1900er Jahrhundertwende mit dem sanierten Bahnhof vergleichen und sich zugleich darüber Beschwerden, dass der Ursprung nicht wiederhergestellt wurde, sondern sich über einen historisch wirkenden und trotzdem in die Zeit passenden Zustand erfreuen. Allgemein sollten die Menschen Gothas froh sein, dass ein solcher Invest in so einen kleinen Bahnhof getätigt wird, wohl auch um der Gothaer Bevölkerung einen alten großen Wunsch zu erfüllen. Als Architekt (der mit diesem Bahnhof ansonsten nichts weiter zu tun hat, außer sich darüber zu erfreuen, dass er überhaupt saniert wird), möchte ich die Lesenden des Artikels dazu ermutigen sich nicht von ewiggestrigem Gejammere entmutigen zu lassen sondern zunächst abzuwarten und sich dann ein eigenes Bild zu verschaffen. Da der Vergleich zum historischem Original im Artikel immer wieder fiel: Städte und Baukultur unterliegen seit Jahrhunderten einem Wandel, bei dem Häuser immer wieder ihr Bild in der jeweiligen Epoche veränderten. Neu ist nicht immer schlecht, es ist jedoch eine Frage des “wie“. Leider wurde da aber in der Ostdeutschen Provinz nach der Wende ein Bild erzeugt, bei dem das neue oft plump und nicht dauerhaft schön war, weil es oft an Qualität und Baukultur fehlte ( weil man sich auch oft einen Architekten oder Architekturwettbewerb sparte) Fazit: die Gothaer Bevölkerung darf sich freuen. Hier wird gut und passend saniert. Man wird einen sehr schönen und historischen Bahnhof haben und wahrnehmen. Alle Reisenden werden sich daran erfreuen. Und diejenigen, denen der Bahnhof nicht historisch genug ist: Man kann es nicht immer allen recht machen

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